Hintergrund zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Geschlechtsspezifische Unterschiede im beruflichen und außerberuflichen Umfeld sind noch immer vorherrschend. Es sind die Frauen, welche mit massiven Zugangsbarrieren zum Arbeitsmarkt konfrontiert sind. Dominierende traditionelle Rollenbilder reduzieren Frauen auf die Rolle der Versorgerin und Zuverdienerin, Männer auf die des Familienerhalters.
Zugangsbarrieren zum Arbeitsmarkt
Frauen sind nach wie vor mit massiven Zugangsbarrieren zum Arbeitsmarkt und zu gut bezahlten Arbeitsplätzen konfrontiert. Am Arbeitsmarkt besteht noch immer die Teilung in schlechter bezahlte Beschäftigungsverhältnisse für Frauen und besser bezahlte für Männer.
Innerhalb der EU gehört Österreich zu jenen Staaten mit dem größten Lohngefälle, innerhalb Österreichs rangiert Tirol vor Voralberg an vorletzter Stelle. Die 170.000 erwerbsaktiven Frauen am Tiroler Arbeitsmarkt verdienen durchschnittlich 65% des Jahresdurchschnittseinkommens von Männern.
Außerdem verdienen Frauen mit Kind deutlich weniger als kinderlose Frauen. Mehr als ein Drittel aller Frauen mit Kind verdient weniger als € 1.000,- brutto monatlich. Nur 8,2 % unter den "Top-Verdienerinnen" (das sind 20% aller erwerbsaktiven Frauen ab einem Monatsbrutto von € 1.900,-) sind Mütter mit Kindern unter 14 Jahren. Das heißt: Nur mehr 1 von 12 Frauen, die zu den bestverdienenden im Land zählen, entscheidet sich für ein Kind.
Oft wird vergessen, dass neben der Forderung nach Chancengleichheit, Gleichbehandlung und Fairness auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit besteht. Die durch Frauenerwerbstätigkeit erzielten Löhne und Gehälter sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Familieneinkommens. Ohne dieses Einkommen wären zahlreiche Haushalte akut armutsgefährdet.Â
Demografische Entwicklung
Zahlreiche Studien belegen eindrucksvoll, dass das Durchschnittsalter der europäischen Bevölkerung kontinuierlich ansteigt. Dies ist nicht nur auf eine steigende Lebenserwartung zurückzuführen, sondern vielmehr auf einen starken Geburtenrückgang. Auch Tirol ist davon betroffen. Seit den 60er Jahren ist die Geburtenrate in Tirol um 42% gesunken. Laut Statistik Austria liegt der Geburtenrückgang in Tirol mit 3,8% deutlich über dem Österreichschnitt. Die durchschnittliche Geburtenrate liegt in Österreich derzeit bei 1,3 Kindern.
Europa wird laut amerikanischer Untersuchungen zur größten geriatrischen Anstalt der Welt, mit explodierenden Ausgaben in den Bereichen Pflege, Gesundheit und Pensionen.
Anstieg Frauenerwerbsanteil
Veränderte Familienstrukturen und das angestiegene Bildungsniveau beeinflussen das Erwerbsverhalten von Frauen. So ist beispielsweise die Erwerbsquote der Frauen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren zwischen 1970 und 2002 in Österreich von 49% auf 61% angewachsen.
Lohnschere zwischen Frauen und Männern
Trotzdem hat sich die Struktur des Arbeitsmarktes in den letzten 30 Jahren nicht wesentlich geändert. Nach wie vor besteht die geschlechtsspezifische Segregation - also die Teilung des Arbeitsmarktes in schlechter bezahlte Beschäftigungsverhältnisse für Frauen und besser bezahlte für Männer. Frauen konzentrieren sich nach wie vor auf wenige, so genannte Frauenberufe, die geringer bezahlt sind und flexible Beschäftigungsformen aufweisen. Damit ist auch häufig eine schlechte soziale Absicherung verbunden. Innerhalb der EU gehört Österreich zu den Staaten mit dem größten Lohngefälle. Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen in Österreich in allen Berufssparten und auf allen Stufen der Lohnskala. Während sich in anderen europäischen Ländern die Lohnscheren schließen, betragen die Lohnunterschiede in Österreich bis zu 40%.
Niedrige Frauenbeschäftigungsquote
Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zwar in verschiedensten Projekten thematisiert und punktuell angegangen, es fehlt jedoch eine durchgängige, alle Ebenen betreffende, Umsetzung. Dies zeigt sich auch darin, dass die Beschäftigungsquote von Frauen mit Kleinkindern um 13,6 % niedriger liegt, als bei kinderlosen Frauen, während die Beschäftigungsquote bei Männern mit Kleinkindern um 10% höher liegt, als bei kinderlosen Männern. Laut EU-Studien ist dafür nicht zuletzt ein Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen ausschlaggebend.
Bedarf eines breiten Maßnahmenbündels
Die Probleme am Arbeitsmarkt kann Demografie allein sicher nicht lösen. Um der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken UND auf die Arbeitsmarktentwicklungen zu reagieren, bedarf es aus ökonomischen, kulturellen, sozialen und ethischen Gründen eines breiten, nachhaltig wirksamen Maßnahmenbündels, welches eine bessere Vereinbarkeit von Familie UND Beruf ermöglicht.

